pomatt
 
Mim Tälli

l weis nit warum
ni dêch äso gärä ha,
gittegi Seelu Dorna!

Mêt alti Umgiri
erchlêpfschtmi im Wênter,
bêsa t Farufä ergrifschtmer
un laschtmi bloses
in der Guksu
wa mis Plange geislut.
Dena mêt warmi Munci
un forborgnä Kschmakch
ferdênuscht mini Lêbi
in di hêpschu Tzitti
un ferukchtz, ferlêbemi un ferlêrämi in di tüsuk Ksechter
fa dim Herbscht.

Darum hänti gärä
un blibä mêtter
mis wêlt Tälli!


Meinem Tal

Ich weiss nicht, warum
ich dich so liebe,
geiziger Stachel der Seele!

Mit alten Gespenstern
erschreckst du mich im Winter,
sogar die Farben stiehlst du
mir und lässt mich nackt
zurück im Schneesturm,
der meine Sehnsucht peitscht.
Dann gewinnst du mit warmen
Küssen und zauberhaften
Gerüchen meine Liebe wieder
in den hübschen Zeiten
und, völlig verrückt, verliebe
und verliere ich mich
in den tausend Gesichtern
deines Herbstes.

Darum liebe ich dich
und bleibe dir treu,
mein wildes Tal!

Anna Maria Bacher, Pomatt

 
 
l Pumattertitsch l Gewerbe und Tourismus l
 

Das Tal
Zwischen den schweizerischen Kantonen Wallis und Tessin schiebt sich wie ein Keil von
Südwesten nach Nordosten das Eschental (oberer Talteil: Valle Formazza oder auf deutsch
Pomatt, unterer Talteil: Val Antigorio). In der oberen Talhälfte, dem Pomatt, wähnt man
sich oftmals ins Goms versetzt: die gleichen Holzhäuser, Stadel und Speicher auf
Holzstelzen, winzige Kartoffeläcker, Wiesen und Tannenwälder sowie eine Bevölkerung,
die in Aussehen und Sprache, mindestens bis vor einigen Jahrzehnten, den Gommer ähnelt. Es ist Walser Boden, den wir hier, mitten in welscher Umwelt, finden. Über den Gries- und
Albrunpass sind sie vor rund 750 Jahren vom Goms herübergekommen, die walserischen
Siedler und suchten hier eine neue Heimat. Das Pomatt ist zweifellos eines der schönsten
Walsergebiete auf der Alpensüdseite und gleichzeitig die flächenmässig grösste Gemeinde
der Provinz Novara. Bis 1920 war das Pomatt nur auf Eselsrücken oder zu Fuss erreichbar.

Das Pomatt weist heute in etwa 450 Einwohner auf. In den letzten Jahren ist diese Zahl
ziemlich konstant geblieben, doch früher lebten im Tal viel mehr Leute. Der Höchstand
wurde 1937/38 mit 738 Einwohnern erreicht, was auf das grosse Arbeitsangebot beim
Kraftwerkbau zurückzuführen war.

Die Dörfer und Weiler
Insgesamt umfasst die Gemeinde Formazza neun Weiler, die ganzjährig bewohnt sind:
Undrumstaldä (Foppiano), das sich unterhalb des Staldens befindet, den die Strasse in
sieben engen Kehren überwindet. Stafuwald (Fondovalle), In dar Mattu (Chiesa), Tuffalt
(San Michele), Wald (Valdo), Zumstäg (Ponte), Brendu (Brendo), Gurfelu (Grovella) und
Früduwald (Canza). Oberhalb der Tosa-Fälle, auf der obersten Talstufe des Pomatts, liegen
die Weiler Uf ä Frütt und Cherbäch (Riale), die im Winter vor allem durch den Langlaufsport
wieder stark an Bedeutung gewonnen haben und inzwischen ganzjährig touristisch
bewirtschaftet werden. Auf der linken Talseite oberhalb von Stafuwald findet sich versteckt
der Weiler Puneiga (Antillone). Ein Kreuzweg führt von der Strasse unterhalb Stafuwald
vorbei am idyllisch gelegenen kleinen See hinauf zum Weiler Puneiga mit seiner
Wallfahrtskirche.
Muraschg, die höchstgelegene Siedlung ist sogar ganz verschwunden. Sie wurde dem
«Fortschritt» geopfert und die Häuser, aber auch die Kapelle wurden nach dem
Staumauerbau vom See überflutet. Für die überschwemmte Kapelle wurde auf dem Hügel
oberhalb von Cherbäch eine Kirche gebaut.
Das eigentliche Herz und Zentrum des Tales ist heute Zumstäg mit Sitz der Schule, des
Gemeindehauses und des Museums «Casa Forte». In Wald finden sich die Skilifte für
den Alpinsport sowie der Sessellift Sagersboden. Das Zentrum für den Langlaufsport liegt
einerseits in Tuffalt mit dem Centro Fondo und seit einigen Jahren auch in der obersten
Talstufe, in Cherbäch.
Erwähnt sei an dieser Stelle auch der berühmte Tosa-Fall, der sich vom Weiler Uf ä Frütt
über 143 Meter ins Tal hinabstürzt. Leider ist es seit dem Bau des Stausees von Muraschg
nicht mehr möglich, dieses Naturspetakel das ganze Jahr hindurch zu beobachten.
Während den Ferienwochen im Sommer wird jeweils an den Wochenenden Wasser aus
dem Stausee abgelassen und somit dem Tosa-Fall zu seiner alten Pracht verholfen.

Wanderroute Goms-Pomatt (Val Formazza)